Ein erster Bericht unserer neuen Voluntari@s

Dienstag, 2. September 2014

Neue Volontäre und Allgemeines zur Casa

Anfang Juli ist der neue Zivildiener Kevin Fischler (österreichischer Maturant) in der Casa Hogar eingetroffen, dessen Dienst am 1. August angefangen hat. Ende Juli ist Martina Pohl (kurz Tina; deutsche Studentin) in die Casa gekommen und Anfang August kamen dann noch Solange Raab und Anna Hocheneder (österreichische Maturanten).

Nach 1 bis 2 Monaten hier haben wir uns alle gut eingelebt, was uns auch durch die Kinder und die Leitung der Casa Hogar sehr leicht gemacht wurde, weil alle wirklich sehr freundlich und nett sind. Die Stimmung in der Casa ist sehr familiär, was viele Umarmungen und kuscheln beinhaltet. Es ist überraschend wie selbstständig selbst die Kleinsten (die Kleinste ist seit kurzem 6 Jahre alt und geht in die Vorschule) hier schon sind und wie viele Pflichten alle im Haus übernehmen. Zum Beispiel heißt es drei Mal täglich "limpieza", dass heißt der gesamte Ess-Saal, der gleichzeitig auch Aufenthaltsraum ist, und die Küche werden von den Kindern äußerst sorgfältig geputzt. Und das, wie gesagt, 3 Mal täglich! Aber das Putzen ist meistens auch notwendig – gerade in der Küche :-) Außerdem gibt es eine Taubstumme (9 Jahre alt und geht in die erste Klasse an einer Taubstummenschule hier) in der Casa mit der alle wirklich toll umgehen und sie komplett in das Leben der Casa integrieren. Sie spielt sogar Volleyball mit den anderen.

Volleyball ist überhaupt die Sportart schlechthin in der Casa! Sowohl das Jungen- als auch Mädchenteams sind alle in top Form und haben in letzter Zeit alle ihre Spiele gewonnen – sei dies in Guatemala City oder in Antigua Guatemala (zur großen Freude von uns Volontären, die da nur zu gern mitfahren um gleichzeitig auch die Stadt etwas kennenzulernen).

Erste Eindrücke von Guatemala

Damit man in Guatemala von A nach B kommt, bieten sich vor allem die Busse an. Auch wenn gerade der reichere Teil der Bevölkerung davon abrät diese zu benutzen, so haben wir bis jetzt keine schlechten Erfahrungen damit gemacht – eher das Gegenteil ist der Fall! Es ist beispielsweise ein richtiges Abenteuer, wenn man versucht in einen Bus einzusteigen, der eigentlich de facto schon voll ist und aus allen Nähten platzt. Aber keine Panik – es gehen immer noch ein paar Personen rein! Notfalls wird mehr oder weniger gestapelt und sie hängen sich aus den sowieso unverschließbaren Türen heraus. Aber es fahren auf jeden Fall alle, die mitwollen, mit und das für umgerechnet ca. 10 Cent pro Fahrt.

Mit so einem Bus kommt man dann beispielsweise zum Mercado Central in Zone 1, was wirklich sehenswert ist! 2 Stockwerke voller kleiner Lädelchen, die Essen, Alltagsgegenstände oder die kunterbunten Trachten und andere wunderschön kunterbunte handgemachte Gegenstände zu wirklich verträglichen Preisen verkaufen.

Auch wenn wir noch nicht wirklich Kontakt zu den negativeren Seiten des Lebens hier hatten, so ist es doch auffällig, dass in jedem kleinen Straßenladen nur durch ein Eisengitter eingekauft werden kann. Was ein Straßenladen ist? Das sind mehr oder weniger einfach nur geöffnete Haustüren (mit Gittertüre) und mit Waren vollgestopfte Eingangsbereiche, die man eben nicht betreten kann. Und dann gibt es natürlich an jeder Straßenecke noch Essensverkaufsstände: Shucos (Sandwiches), Burger, Tacos, Choco-Bananos, etc pp – alles was das Herz begehrt und was natürlich suuuuper lecker ist, jedoch nicht gerade für eine schlanke Taille gedacht ist. Aber egal :-)

Ereignisse in der Casa

Am 03.08. fand die Erstkommunion von einem der Kinder die an das Kinal gehen statt. Zusammen mit einem anderen Schüler begleitete Tina ihn zur Schule, wo zunächst einige Taufen stattfanden, bevor es zur feierlichen Erstkommunion kam.

Am 08.08. war die inoffizielle Abschiedsfeier von Stefan bei der Fernanda, eine Ex-Schülerin der Casa, mit ihrer neugegründeten Theatergruppe Blancanieves (Schneewittchen) aufgeführt hat. Außerdem gab es eine Vorführung eines Mayarituals und -tanzes von den Kindern für Stefan bevor es zu rührenden Abschiedsszenen kam, wo sich jedes Kind bei Stefan für die Zeit zusammen bedankt hat. Am darauffolgenden Tag fand die  offizielle Abschiedsfeier von Stefan statt, welche auch gleichzeitig die Einweihungsfeier für die neue Küche war. Viele Gäste waren eingeladen und erneut wurde das Schneewittchen und der Mayatanz aufgeführt. Doña Vera kochte für alle Gulasch mit Spätzle und Apfelstrudel und es wurde im Anschluss bis spät in die Nacht getanzt. Doña Vera, Fernanda und Evelin, letztere beide Ex-Schülerinnen der Casa, haben einen Wettbewerb gestartet,  bei dem die Bewohner der saubersten Zimmer wöchentlich einen kleinen Preis gewinnen können. Dazu gehören auch ordentliche Kleiderschränke und saubere Kleidung. 

Am 15.08. führte uns ein Mayapriester in die Kosmovision und das Denken der Mayakultur ein, indem er mit uns ein Ritual zelebrierte. Am 18.08. reiste Werner Römich leider zurück nach Österreich – wir werden ihn hier zweifelsohne sehr vermissen!

Anna hat des Weiteren eine irische Tanzgruppe gegründet. Nach zwei gehaltenen Stunden sieht das alles schon sehr vielversprechend aus, vor allem da die irische Tanzweise sich doch sehr von der hiesigen unterscheidet. Die Kinder reagieren darauf auch sehr positiv und nehmen begeistert daran teil! 

Am 29.08. war Tinas Geburtstag der groß gefeiert wurde. Dafür wurde der Aufenthaltsraum schön mit Girlanden und Ballons geschmückt und am Nachmittag waren wir alle gemeinsam für die Zerstörung zweier Piñatas verantwortlich. Im Anschluss daran gab es Kuchen, Popcorn und weitere Süßigkeiten für alle.

Schule, Hausaufgaben und Lernen

Es fanden jetzt schon diverse Elternsprechtage statt zu denen wir immer gehen mussten. Im Liceo Centroamericano haben wir die Noten des letzten Vierteljahres erhalten, die Großteils alle sehr gut ausgefallen sind. Im Kinal wurden wir vor allem auf die Wichtigkeit der Einhaltung der Kleiderordnung hingewiesen. Zum Viena mussten wir nur wegen einiger weniger gefährdeter Schüler gehen doch die bisher teilweise bestehenden Probleme hoffen wir mit unserem neueingeführten Lernsystem zu beheben.

So haben wir Lerngruppen eingeführt, was bedeutet, dass die Kinder unter uns Volontären und auf verschiedene Räume aufgeteilt sind. Dadurch ist es allgemein viel stiller beim Hausaufgabenmachen und Lernen geworden, wodurch konzentrierteres und intensiveres Arbeiten möglich ist. Die neu eingeführten festen Lernzeiten, müssen sich erst noch etwas einspielen, doch auch dies funktioniert schon viel besser als zuvor.

Außerdem haben wir einen Einstufungstests für Englisch-Lerngruppen durchgeführt, da viele Kinder der Casa ein paar Probleme mit Englisch haben. Geplant sind Vokabel- und Grammatikeinheiten um zumindest gewisse Grundkenntnisse zu gewährleisten. Jede Woche wird deswegen ein Test abgehalten, um das Gelernte zu überprüfen und am Ende gibt es Prämien für die Besten, sowie auch eine Kleinigkeit für jene, die einen gewissen Prozentsatz (ca. 90%) erreichen konnten. Auch Filmabende mit Filmen in englischer Sprache sind geplant.

 

Ein Bericht von Tina Pohl

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